Konfirmation 2018

Grußwort von Kirchengemeinderätin Heike Pflüger zum 29. April 2018

Liebe Konfirmierte, liebe Festgemeinde,

„Eppure si muove – und sie bewegt sich doch“ soll Galileo Galilei
1632 gerufen haben, nachdem er vor dem Inquisitionsgericht in Rom seiner Überzeugung, dass sich die Erde um die Sonne dreht und
nicht umgekehrt, abgeschworen hatte.

„Eppure si muove“ ist auch der Titel eines Liedes des italienischen
Liedermachers Pippo Pollina zum Thema Hoffnung:

„Und doch, sie – die Hoffnung- bewegt sich und zeichnet eine Blume
Bei jedem Kuss einer verlorenen Liebe
Niemand hat sie je festhalten können, niemand hat sie je aufhalten können
Und wenn sie jemand wiedersieht, wie sie spielt in den Ruinen einer Stadt
Dann soll er ihr ein Lied schenken, einen Reim mit guten Wörtern
Und wenn sie jemand antreffen sollte, in einer Kirche, einem Hafen oder wo auch immer
Dann wird es ihr Tanz sein, der uns aufweckt,
und ihre Schönheit, die uns rettet.“

Die Kirche also ein Ort, auf die Hoffnung zu treffen. Wie kann das wahr werden?
In einer Predigt, in einem gesungenen Liedvers vielleicht.
Bestimmt auch, wenn sich Menschen aufeinander zubewegen, in
einem Blick, der einem anderen Blick begegnet. Oder in einer Jungscharstunde in der Auferstehungskirche im Enzenhart, in der jeder akzeptiert wird, so wie er ist. Beim Konfirmandenunterricht, im
gemeinsamen Nachdenken über einen biblischen Text.
Vergesst nicht: unsere Kirche hat immer offene Türen, durch die Ihr
gehen könnt, wann immer Ihr wollt, auch sonntagmorgens 10:15 Uhr.

Bitte bleibt so kritisch-hinterfragend, aus Überzeugung begeistert
und hilfsbereit, wie ich Euch kennenlernen durfte.

Herzliche Glückwünsche zur Konfirmation von Eurer Stadtkirche und
Auferstehungskirche.
Ich feire Euch (und Eure Stimmen).

Heike Pflüger

Predigtzitat

„Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus.“ (Epheser 5,20)

Lieber Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, Paten, Geschwister und Großeltern, liebe Gemeinde,

Dankbarkeit ist das Thema unseres Konfirmationsgottesdienstes. Weniges dazu fand ich so wahr und hilfreich wie folgende Passage des portugiesischen Dichters, katholischen Pfarrers und Gelehrten José Tolentino Mendonςa, die darum als Teil der Predigt Euch / Ihnen hier zugänglich gemacht werden soll:
„Es ist normal, dankbar zu sein für die Dinge, die wir empfangen.
Sicher, es gibt eine große Menge an Dingen, die von unserem Einsatz abhängen und von unserem Talent, Dinge, die wir im Lauf der Zeit erobern konnten, auch gegen jede Vorhersage, oder die wir am Ende von mühsamen und einsamen Prozessen verwirklicht haben.
Aber das löscht in keiner Weise das Wesentliche aus: unser Leben ist eine Schatzkammer voller Geschenke. Wir empfangen das kostbarste Gut, die Existenz, als reines Geschenk, und ebenso geschenkweise haben wir erlebt und erleben wir die Erfahrung, uns beschützt, behütet, angenommen und geliebt zu fühlen. Wenn wir eine Liste von dem aufstellen müssten, was wir von anderen empfangen (und es ist schade, dass wir diese Übung nicht häufiger machen), verstünden wir, was die Dichterin Adília Lopes als eine ihrer Wahrheiten wiederholt: „Ich bin das Werk der andern.“ Das sind wir alle. Unsere Geschichte beginnt vor uns und wird nach uns weitergehen. Wir sind das Ergebnis einer unendlichen Kette von Begegnungen, Taten, gutem Willen, Wurzeln, Zärtlichkeiten, Liebeserweisen. …
Heute indes stehe ich an dem Punkt, über die Bedeutung dessen nachzudenken, was uns nicht gegeben worden ist. Vor diese Herausforderung hat mich eine Freundin gestellt, die mit anvertraut hat: „Ich danke Gott gerne für all das, was er mir gibt; und es ist immer so viel, dass mir die Worte fehlen, um es zu beschreiben. Ich spüre aber, dass ich ihm auch für all das danken muss, was er mir nicht gibt, für die Dinge, ebenfalls schöne, die ich nicht gehabt habe, sogar für jene, die ich mir so sehr gewünscht und um die ich gebeten habe, die ich aber nicht bekam. Die Tatsache, dass ich sie nicht bekam, hat mich gezwungen, Kräfte zu finden, von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe; und in einem gewissen Sinn hat mir das erlaubt, diejenige zu werden, die ich bin.“ Welch große Wahrheit! Sie erfordert indes eine grundlegende Veränderung unserer inneren Haltung. Innerlich erwachsen zu werden ist freilich keine schnelle oder schmerzlose Geburt. Und doch: solange wir dem Leben oder den anderen nicht für das danken, was sie uns nicht gegeben haben, wird unsere Existenz offensichtlich unvollständig bleiben. Wir können bestenfalls wie bisher weiterleben: beleidigt wegen dem, was wir nicht bekommen haben, Vorwürfe machend, uns als Opfer der Ungerechtigkeit fühlend, uns beklagend, wie hart es ist, dass sich unsere Idealvorstellungen Jahr für Jahr nicht verwirklichen. Oder wir können auf das schauen, was uns nicht gegeben wurde, als eine Gelegenheit – wie geheimnisvoll auch immer, wie verkehrt auch immer -, einen Weg der Vertiefung einzuschlagen … und der Auferstehung.
(Aus: José Tolentino Mendonςa, La mistica dell’istante. Tempo e promessa, Mailand 2015, S. 61-63)

Pfarrer Markus Lautenschlager