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Besuch in der Stadtkirche

Die Stadtkirche trägt auch den Namen Laurentiuskirche . Das lässt auf eine Kirchengründung im 10./11. Jahrhundert schließen. Nach dem Sieg von Otto dem Großen über die Ungarn am Lechfeld am Laurentiustag 10. August 955 bekamen viele neue Kirchen Laurentius zum Schutzpatron im Namen der Kirche.


Der Namenspatron Laurentius war um 258 n. Chr. römischer Diakon unter Papst Sixtus II. und hat Arme, Bettler und Kranke dem Kaiser als "Schatz der Kirche" vorgeführt, der eigentlich Geld sehen wollte. Deshalb fühlte sich Kaiser Valerian verhöhnt und ließ Laurentius lebendig auf einem glühenden Rost zu Tode martern. In einem der Schlusssteine im Chorraum (der "Heilige Laurentius" mit dem Gitter) und in einem Fenster an der Südseite des Chorraumes (Laurentius auf dem Scheiterhaufen) sind Abbildungen von dieser Szene zu sehen.

Neben dem Innenraum das Laurentiusfenster und der Laurentiusschulssstein

Neben dem Innenraum das Laurentiusfenster und der Laurentiusschulssstein

Die heutige Stadtkirche ist der dritte Kirchenbau an dieser Stelle. Die Ausmaße der heutigen Kirche stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts . Ab etwa 1470 ist zunächst der Kirchturm gebaut worden - so haben es die dendrochronologischen Untersuchungen bei der letzten Renovierung ergeben. Etwa 10 Jahre später wurde der Chorraum gebaut und schließlich das Kirchenschiff, das etwa um 1488 fertiggestellt war. Das Kirchenschiff wurde ursprünglich als Hallenkirche mit einer flachen Decke gebaut (vielleicht hat damals das Geld nicht gereicht, um die Gewölbe einzuziehen). Lediglich die Säulen wurden so konstruiert, dass man später die Gewölbe einbauen konnte. Das Kreuzrippengewölbe des Chorraum wurde jedoch gleich so gefertigt. Es lädt noch heute zum Staunen ein. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch das Kirchenschiff mit den Gewölben versehen. Zu dieser Zeit kamen auch Kanzel, Altar und Taufstein in die Stadtkirche (der Taufstein trägt die Jahreszahl 1896).

Altarkreuz der Stadtkirche
Altarkreuz der Stadtkirche

Das wohl interessantes Schmuckstück der Stadtkirche ist der schmiedeeiserne Lettner (1624) mit dem darüber befindlichen Kreuz. Er enthält sechs Medaillons, die (von links nach rechts) die folgenden Berichte aus dem Alten und Neuen Testament in Bilder fasst: Johannes der Täufer mit seinem einfachen Gewand. Er ist der Vorbote Jesu und weist mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Jesus, das Lamm Gottes hin (eine ähnliche Szene ist vom Isenheimer Altar her bekannt). Dieses Lamm Gottes ist im zweiten Medaillon dargestellt. Aber es ist nicht "das Lamm, das erwürgt ist", das die Schuld der Welt trägt, sondern das Lamm mit der Siegesfahne, das darauf hindeutet, dass Jesus am Ostermorgen den Tod besiegt hat und nun mit Stolz seine Siegesfahne im Arm hält. Das nächste Medaillon zeigt die Szene aus 1. Mose 22, wo Abraham den Befehl Gottes ausfüllen will, seinen Sohn Isaak für Gott zu opfern. Doch in letzter Minute befiehlt ein Engel, das nicht zu tun, sondern einen Widder zu opfern, der sich im Gebüsch verfangen hatte. Abrahm hatte diese Glaubensprobe bestanden. Rechts über dem Altar schließt sich als viertes Medaillon die Szene von Jona und dem Fisch an. Jona wird aus dem Mund des Fisches ausgespuckt, sodass er Gottes Auftrag doch noch nachkommen kann, die Stadt Ninive zur Umkehr zu Gott aufzurufen. Daneben ist eine Schlage zu sehen, die an einem Kreuz befestigt ist. Hier wird der Bericht aus 4. Mose 21 wiedergegeben, wo das Volk Israel Gott ungehorsam geworden war und von Schlangen gebissen wurde. Auf Moses Fürbitte hin, wurde jeder vor dem Tod verschont, der diese eiserne Schlange angesehen hat. Ganz rechts schließt das Medaillon von Mose mit den beiden Gesetzestafeln ab, die er von Gott auf dem Berg Sinai bekommen hatte.

Wer den Lettner betrachtet, bleibt auch an dem Spruch aus Johannes 3,16 hängen, der auf dem Querbalken geschrieben steht. "Also hat Gott die Welt geliebt, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Der Künstler hat den Text so eíngeteilt, dass genau unter dem Kreuz steht: "alle, die an ihn glauben". Wer sich Jesus im Glauben zuwendet, bekommt ewiges Leben geschenkt. Ähnlich hat der Künstler auch die Rückseite gestaltet mit einem Vers aus Jesusa 53: "Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen, die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt."

Vorder- und Rückseite des Lettners (auf der Vorderseite in alter Schreibweise)
Vorder- und Rückseite des Lettners (auf der Vorderseite in alter Schreibweise)

Wer seine Blicke durch den Chorraum gleiten lässt, wird schnell drei Bilder entdecken, die sich bei näherem Hinsehen als Türen von alten Bücherschränken entpuppen. Vermutlich stammen sie aus dem "Nürtinger Spital". Dargestellt sind Szenen aus dem Leben Jesu: Seine Geburt, die Grablegung und die Himmelfahrt. Auch hier lohnt sich das verweilen.


Links neben der Kanzel hängt ein Weihnachtsbild. Es ist die Kopie eines Flügels des "Nürtinger Altars" , der im Jahr 1841 an den württembergischen König Wilhelm I. zu dessen 25-jährigen Regierungsjubiläum verschenkt wurde. Das Original wird in Stuttgart in der Staatsgalerie aufbewahrt. Seit 1978 hängt die Kopie in der Stadtkirche. Sie wird in der Advents- und Weihnachtszeit auf den Altar gestellt.

Grablegung und Geburt Jesu
Grablegung und Geburt Jesu

Alte Epitaphe sind an der Ostseite des Kirchenschiffs, sowie unter der Empore und im Eingang des Kirchturms angebracht. Sie erinnern an frühere Bedienstete des Nürtinger Schlosses, das gleich neben der Stadtkirche stand. Hier wohnten von 1424 bis 1698 die Witwen der Landesherren.

Epitaphe unter der Empore
Epitaphe unter der Empore

Seit Oktober 2004 erklingt die neue Orgel der Stadtkirche . Bei einem Brand im April 2000 war die alte Orgel völlig zerstört worden. Die neue wurde von Firma Goll in Luzern herstellt. Sie besitzt 2905 Pfeifen, die von 42 Registern auf 3 Manualen gespielt werden. Im gottesdienstlichen Leben und bei Konzerten kommt sie zur Ehre Gottes zum Einsatz.

Die Goll-Orgel in der Stadtkirche
Die Goll-Orgel in der Stadtkirche

An manchen Sonntagen ist auch der Kirchturm der Stadtkirche für Besucher geöffnet. Es lohnt sich die 190 Stufen (inklusive Türschwelle) hinaufzusteigen. Man wird mit bei schönem Wetter mit einem wunderbaren Blick über Nürtingen und Umgebung belohnt.

Offizielle Höhenangabe am Eingang des Turms und ein Blick hinauf im Schneckenturm
Offizielle Höhenangabe am Eingang des Turms und ein Blick hinauf im Schneckenturm
Blick vom Turm Richtung Neckarhausen und eine der fünf Glocken im Kirchturm
Blick vom Turm Richtung Neckarhausen und eine der fünf Glocken im Kirchturm
Internetauftritt des Evangelischen Kirchenbezirks Nürtingen
Verlässlich geöffnete Kirche
Stadt-Kirchen-Stiftung