Die Enzenhardter Auferstehungskirche
(Adresse: Königsberger Straße 2, 72622 Nürtingen)

Seit 1991 steht die Auferstehungskirche im Enzenhardt an der Stelle des 1962 erbauten alten Holzkirchleins, das eben sehr in die Jahre gekommen war, auch schon etwas „inkontinent“, jedenfalls nicht auf Zeit und Ewigkeit gebaut worden war. Dieses Holzkirchlein steht jetzt übrigens in minutiös abgebauter, strahlend schön renovierter Form in Piliscaba in Ungarn, gleich hinter dem Plattensee… Eine ganze Reihe von „alten Enzenhardtern“ haben Abbau, Umzug und Aufbau des Kirchleins mitgetragen, und es dort auch schon besucht.


Man wollte 1990/91 keinen „kirchlichen Mehrzweckraum“ bauen, sondern ein genauso schönes wie zweckmäßiges wie technisch und ökologisch zeitgemäßes Gemeindezentrum mit
 
•einem Gottesdienstraum
•verschiedenen Gemeinderäumen
•Clubraum
•Besprechungszimmer
•Pfarrhaus mit Amtsbereich und Garage
•mit einer einladenden Vorzone
•und mit einer „Gemeindewiese“ (z.B. für die Sommerfeste)
•und einem Pfarrgarten

 

Und genau das ist 1991 entstanden: ein schönes, vielseitiges zweckmäßiges Gemeindezentrum:
 Vom Gemeindegarten aus führt ein Durchlass in das Gelände des benachbarten städtischen Kindergartens – was könnte nicht alles aus dieser Verbindung wachsen?
 „Leichte“ Materialien, helle Farbgebung – leicht, freundlich, offen, einladend und zugänglich sollte sich die Kirche in der Nachbarschaft des Stadtteils präsentieren. und so auch die Innengestaltung: Lichtfülle und Lichtführung bestimmen den Gottesdienstraum mit seiner polygonalen Raumform und der zur künstlerisch ausgestalteten Altarwand hin steigenden, schwebenden Dachscheibe: eine über die diagonale Raumachse auf die Kanzel hin konzentrierte Gestaltung des Raumes, in dem die Orgel einen Kontrapunkt setzt: Wort und Musik als die beiden Sprachen der Liturgie, die zur lebendigen Begegnung mit Gott hinführen.

Foto: J. Holzwarth

Im architektonischen Konzert der fünf evangelischen Kirchen Nürtingens spielt die Auferstehungskirche den intimen kammermusikalischen Part. Viele, die regelmäßig hierherkommen, wissen das zu schätzen und möchten nicht darauf verzichten müssen.

Seit Januar 2010 ist das Gemeindezentrum in das Eigentum der Stadt Nürtingen übergegangen. Die evangelische Kirchengemeinde kann den Gottesdienstraum zusammen mit der Saalerweiterung, also dem Matthäusraum, weiterhin für Gottesdienste, Kinderkirche, Konfirmandenunterricht, Seniorennachmittage und alle weiteren Gemeindeveranstaltungen und Gemeindekreise nutzen - zumindest für die nächsten 15 Jahre; die Nutzung für diesen Zeitraum durch die Kirchengemeinde ist nämlich im Verkaufspreis mit einem Mietzuschlag abgegolten.
Für den öffentlichen Betrieb im Gemeindezentrum hat die Stadt Nürtingen eine zweite Küche eingebaut. Die bisherige Gemeindeküche ist nämlich dem neu entstandenen Kinderbereich mit zwei ganztägigen Krippengruppen für jeweils zehn Kinder zwischen 0 und 3 Jahren zugeordnet.

Ein Haus - und so viele Zwecke: allen gegenwärtigen und zukünftigen Nutzern des Hauses ist der Geist einer guten, verständnisvollen und respektvollen Kooperation zu wünschen!

Foto: Holzwarth

Kunst in der Auferstehungskirche

 

 

Wie stellt man „Auferstehung“ dar – zumal in einer Auferstehungskirche? Der in sakraler Kunst erfahrene Boller Künstler Gerhard Dreher hat sich für die 1991 fertig gestellte Enzenhardter Auferstehungskirche eine eigene künstlerische Lösung einfallen lassen, die einem von Rationalität, Technik und Sachlichkeit geprägten Zeitgeist der „Moderne“ eine gültige Glaubensaussage in deren eigener Sprache entgegenhält: im spannungsvollen Kontrast zum schon vorhandenen Bronzekruzifix des Ulmer Künstlers Walter Hammer auf dem Altar – gewissermaßen der vergegenständlichten Konkretion des Leidens - , hat er für sein Holzrelief eine nicht gegenständliche Darstellung der Auferstehung in einfachen und deshalb auch klaren geometrischen Formen und einer sehr hell gehaltenen Farbgebung entworfen: Das Grab ist nicht mehr mit Trauer und Furcht, sondern mit großer Freude verbunden: Er ist auferstanden, in Wahrheit ist er auferstanden –so lautet seit der frühesten Christenheit der erlösende, österliche Jubelruf. Und genau so schaut die Enzenhardter Altarwand den/die Betrachter/in an. Und interesssant: sie schaut einen jedes Mal mit einem anderen Ausdruck an, je nach dem, von welchem Platz im Gottesdienstraum der Auferstehungskirche aus man die Altarwand betrachtet. Auch macht es einen ganz verschiedenen Eindruck, ob man am frühen Morgen, zu Mittag oder in der Abendsonne dieses Kunstwerk meditiert – je nach dem, wie das Sonnenlicht in den hellen Kirchenraum fällt.