20 Jahre Weltladen Nürtingen

Afrikanische Rhythmen und Gewänder: Fröhlich aus der Kirche zum Weltladen

Eindrücke aus einem Festgottesdienst

Am 24. Juni 2018 wurde in der Stadtkirche Nürtingen das 20-jährige Bestehen des Nürtinger Weltladens mit einem Festgottesdienst gefeiert. Wie kam es dazu?

Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Weltladens war es ein Anliegen - neben anderen Jubiläumsveranstaltungen - auch einen Gottesdienst zu feiern. Pfarrer Markus Lauten-schlager, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK), kam der entsprechenden Bitte nach. Der Weltladen liegt in der Nähe der Stadtkirche (Kirchstraße 25). Ich entschloss mich als Vertreter der EFG (Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde – Baptisten) mitzuarbeiten.

Begeisterte Vorbereitung
Bei der Vorbereitungssitzung für den Gottesdienst ging es lebhaft und ideenreich zu. Drei Mitarbeiterinnen aus dem Team des Weltladens waren mit dabei. Eine Idee war, das Vaterunser in verschiedenen Sprachen und von Menschen aus verschiedenen Ländern beten  zu lassen. Die Mitarbeiterinnen brachten durch ihre Ideen ihre Glaubensüberzeu-gungen zum Ausdruck. Ihr Einsatz im Weltladen ist Ausdruck dieser inneren Haltung.

Der Festgottesdienst: vielfältig, vielsprachig, herausfordernd
Zwei wunderbare Musikstücke mit Orgel und Trompete umrahmten die Feier. Die Lesung des Lobgesangs der Maria provozierte: „Meine Seele erhebt den Herrn…Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen…“ Welch gewaltigen Worte – welche Sehnsucht nach Gerechtigkeit hat Gott und die Glaubenden mit ihm?
Als Predigttext hatten wir Lukas 3, 10-15 ausgewählt. Der Täufer Johannes antwortete auf die Frage seiner betroffenen Hörerschar: „ Was sollen wir nun tun?“ folgendermaßen: „Wer zwei Röcke hat, gebe einen dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue ebenso!“  Erstaunlich praktische und auch aktuelle Antworten.
In der Predigt erzählte Pfarrer Lautenschlager von italienischen Widerstandskämpfern. Einer aus ihrer Gruppe wurde von den Männern des Diktators Mussolini (1922-1943) gefoltert und getötet. Seine Freunde waren sehr schockiert und trauerten. Sie entschlossen sich, eine Zeitung zu gründen und anonym verteilen. Sie wollten das Unrecht nicht stumm und tatenlos hinnehmen. Nach langem Überlegen gaben sie der Zeitung den Namen „Was tun?“. Dies sollte nicht nur der Titel sein, sondern jede Nachricht über begangenes Unrecht sollte mit diesen Worten enden: „Was tun? Was tun!“
Anschließend wurde das Vater unser  kamerunisch, indonesisch, englisch, syrisch, äthiopisch und deutsch gesprochen. M. Nyam  umrahmte das Gebet und die kurze Auslegung durch Rhythmen auf der Djembé. Dies vertiefte den Eindruck des Gehörten.

Vor und im Weltladen weiterfeiern
Nach dem Gottesdienst zogen die Gottesdienstbesucher zum nahe liegenden Weltladen. Voraus ging Marcel Nyam, der mitreißend trommelte.

20 Jahre Weltladen Nürtingen
Vor dem Weltladen wurden wir mit einem alkoholfreien Holundersekt empfangen. Zwei kurze Reden würdigten das Ereignis und gaben einige Informationen:
Der Weltladen wurde 1998 gegründet. Unter den Gründungspersonen waren auch Christen aus der evangelischen, katholischen und evangelisch-methodistischen Kirche. Unter dem Motto „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ sahen sie sich herausgefordert, etwas zu tun (siehe Inhalte des Gottesdienstes). Durch die Einrichtung des Weltladens wollten sie mithelfen, Menschen in Afrika, Asien und Südamerika durch fairen Handel zu unterstützen, und so wurde ein Laden in der Kirchstraße 25 angemietet. Fünfzig Personen engagieren sich im Weltladen.
Der Vorsitzende der Weltläden-Vereinigung aus Mannheim bedankte sich für den engagierten und erfolgreichen Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er verwies darauf, dass es bei der Arbeit der Weltläden um Fairness und Gerechtigkeit ginge. Die Weltladenarbeit stünde auf drei Säulen: Bildung, Handel und Aktionen.

Persönlich beschenkt
Als Mitwirkender im Gottesdienst und Mitfeiernder fühlte ich mich beschenkt. Ich freue mich und bin dankbar, dass so viele Menschen sich für Gerechtigkeit und Fairen Handel engagieren. Die im Weltladen Engagierten haben Weitblick bewiesen und Mut, die Welt als eine Welt zu denken, die vielfach verbunden ist. Das tut gut in einer Zeit, in der eine Reihe von Staaten sich lediglich auf ihr eigenen nationalen Interessen konzentrieren.

www.nuertinger-weltladen.deWer mehr über den Weltladen, seine Veranstaltungen und Angebote wissen will, kann sich auf der oben genannten Seite informieren. Ein Besuch im Weltladen lohnt sich auf jeden Fall. Die Adresse: Kirchstraße 25,  72622 Nürtingen

Karl Häberle