Liturgisches Mittagsgebet

Wenn die Mittagsglocke freitags um 12 Uhr vom Turm der Stadtkirche läutet, soll sie zu einem gemeinsamen liturgischen Mittagsgebet  einladen im Chor der Stadtkirche (während Corona im Freien) einladen.

Das Tagzeitenläuten der Kirchenglocken, traditionell morgens und abends um 6 Uhr, sowie  mittags um 12 Uhr (vielerorts auch noch nachmittags um 15 Uhr), hatte ja schon immer die Aufgabe, zum Innehalten und zum Gebet einzuladen. So soll dieses Mittagsgebet eine Viertelstunde  Auszeit bieten: eine Unterbrechung des Tageslaufes in seiner Mitte, um zur inneren Ruhe zu finden und sich Zeit zu nehmen für ein Gebet. Die evangelische Stadtkirchengemeinde möchte damit bewusst an die alte klösterliche Tradition der Tagzeitengebete anzuknüpfen, die auch im evangelischen Bereich niemals ganz ausgestorben ist, und sie auch für moderne Passanten zugänglich machen.

Die vorgesehene liturgische Gestaltung nimmt diese alte kirchliche Tradition des Stundengebetes in vereinfachter und modernisierter Form auf: Aufruf zum Gebet und Wechselgesang, auch der Psalm im Wechsel gesungen; dazu Lesung, Stille, ergänzt durch ein Tageslied aus dem Gesangbuch; Gebet, Friedensbitte und Segen schließen das Mittagsgebet ab.

Herzensgebet

Ein offenes, christliches orientiertes Meditationsangebot dienstags um 12:00 Uhr im Chor der Stadtkirche St. Laurentius (während Corona im Freien)

„Zweifellos hängt die große Symbolträchtigkeit des Herzens mit der Tatsache zusammen, dass das Herz als einziges inneres Organ ständig mehr oder weniger spürbar ist. Es gibt uns somit anatomisch ein Empfinden für unser Inneres, in welchem sich auf geheimnisvolle Weise die Hälfte des Lebens abspielt. Dass in der Bibel, wo die Beziehung des inneren zum äußeren Menschen ständig reflektiert und thematisiert wird, das Herz ein zentraler Begriff ist, wird daher nicht erstaunen.“ (Silvia Schroer / Thomas Staubli, Die Körpersymbolik der Bibel, Darmstadt 1998, S. 45)

Zur Mitte des Tages die eigene Mitte finden, in der sich innerer und äußerer Mensch begegnen. Ich nehme wahr: Der Boden trägt mich, ich finde meine Balance, meinen Standpunkt. Mein Atem kommt und geht, ich nehme und gebe.  Ich spüre die Wärme meines Köperpers, meinen Puls, meine Herzmitte. Ich versammle mich in mir. Ich komme zu mir. Ich kehre ein in Gott.

„Auf der Höhe des Tages halten wir inne.
Lasset uns Herzen und Hände erheben zu Gott,
der unseres Lebens Mitte ist:
Herr, unser Gott,
lass uns vor dir stehen mitten im Tagwerk;
gib uns den Mut und die Kraft,
dass wir das Eine suchen;
dass wir tun, was Not ist,
lass uns wandeln vor deinen Augen.
Amen.“